Schuhladen-Erklärung und Übertragungsgefahr

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In dieser „Schuhladen-Erklärung“ möchte ich u.a. auf das Thema Übertragungsgefahr eingehen und meine Verantwortung als Coach über einige wichtige Aspekte meiner Arbeit unterstreichen, weshalb ich Dir das Lesen sehr ans Herz lege. Nämlich:

  • Meine geistige Haltung
  • Zum Aufbau meiner Artikel
  • Der Schuhladen
  • Zur Übertragungsgefahr

Meine geistige Haltung

  • Der lösungsorientierte Kurzzeitansatz nach Steve de Shazer
    Mein Ziel in der Direktbegleitung ist es immer, Dich schnellstmöglich voranzubringen. Deshalb verzichte ich auf komplexe Laufzeitverträge.
  • Die ressourcenorientierte Methodik nach Milton Erickson
    Gemeinsam mit Dir besinnen wir uns auf Deine eigenen Kräfte (Kompetenzen, Fähigkeiten, Stärken, Geschichte, Umfeld).
    Sämtliche Angebote und augenzwinkernde Hilfstools sind nur als solche gemeint. NIEMALS würde ich Dir etwas anbieten oder empfehlen, was den Anspruch ausdrücken würde, dass Du ohne dem keine Lösung finden oder erwarten könntest!
  • Meine Denk- und Arbeitsweise habe ich in der >> Mentalen Systemik definiert und lebe danach.
  • Kollegenaustausch und Supervision sind für mich selbstverständlich!

Artikelaufbau

Meine Artikel haben in der Regel eine „2-Phasen“-Struktur:

  1. Der Auslöser / die Erzählung
    Entweder anonymisierte Fallgeschichten, (stereo!)-typische Szenen aus unserem Leben oder aber meiner eigenen Erlebnisse und damit verknüpften Empfindungen
  2. Die Brücke zu Dir
    Diese Brücke ist der mögliche Bezug zum Leser und trägt meistens zwei Geländer.
    Einerseits jene Aspekte, die mir selbst weiter halfen und gegenüberliegend wissenswert bis nützliche Methoden oder Denkhaltungen aus dem weiten Feld von Mentaltraining, Psychologie und Spiritualität.

Diese Herangehensweise hat den Vorteil, dass jemand der lediglich gern andere Geschichten liest, ohne selbst betroffen zu sein, nach der Erzählung aussteigen kann und jenes betroffene Herz, das ähnliche Erlebnisse oder Gefühle durchlebt und deshalb in der Regel an mehr Details interessiert ist, einfach weiterlesen kann und zum Ende hin im Idealfall noch ein wenig für sich selbst mitnehmen kann.

Bitte ziehe Dir für Dich immer nur das heraus, was sich gut und nützlich bzw. persönlich abgeholt anfühlt. Mein Job ist nicht, irgend jemanden zu belehren, sondern lediglich meine zu Leder gewordene Hand zu reichen, um einer verletzten Seele über seine eigene Brücke zu helfen. 

Dies wird mir manchmal besser und manchmal weniger passend gelingen. Ab und an lade ich Dich durch meine Erzählungen lediglich für einen Moment auf meine eigene Lebensbrücke ein. Während Du diesen Moment bei mir sitzt, kann Deine eigene bedarfsweise ein Stück weit repariert werden.

Der Schuhladen

Betrachte mich auch gern einfach als Schuhgeschäft. Du kannst es lieben ohne jeden einzelnen Schuh anziehen zu müssen  😉 .

Trage nur jene, die bequem für Dich sind. Manche sind auf den ersten Blick überhaupt nicht Dein Ding. Einige werden vielleicht erst nach ein wenig „optischer Blickgewöhnung“ anprobiert und überraschend bis freudig als mega bequem erfahren. Andere tragen wir nur ganz kurz und schmeißen sie wieder weg. Sehr viele würden wir niemals anziehen und müssen das auch gar nicht.

Wenn Du meine Texte und meine Arbeit genau so betrachten kannst, wirst Du den größten Nutzen für Dich selbst ziehen. Trage nur was sich gut anfühlt. Entscheide dabei nach Tageslaune und Wetter immer wieder neu. In einen Schuhladen würden wir keine Bombe schmeißen, nur weil uns nicht alle Schuhe (und Paare 😆 ) gefallen. In der Social Media Welt ist es momentan leider ein wenig so.

Unsere Erde wird jedoch erst heilen, wenn wir alle (mich eingenommen) lernen und akzeptieren, dass andere Schuhe für andere Füße bestimmt sind. Jedes Paar Schuhe hat andere Gebirge zu durchwandern. Manche mit unglaublich schmerzvollen Blasen, während andere wie bestellt und angegossen passen ohne dass irgendjemand erklären könnte, wieso dem so ist. Wir alle haben lediglich ein paar Füße. Kein Mensch weiß, warum nicht einfach jeder blasenlos wandern darf.

Auf die Testschuhbank

Und wenn Du mal ein wenig mehr brauchst, hol Dir die Beraterin an Deine Seite und lass‘ mich ein paar Meter Deines Lebens neben Dir gehen. Falls Deine Beine gerade ein wenig müde sind, können wir uns auf eine Bank setzen und das eine oder andere erst einmal sitzend probieren.

Mein Schuhladen hat viele Türen. Eine versteckt eine kleine Küche mit schöner Kaffeemaschine, einem Teekocher, gekühlten Getränken und ein paar leckeren Naschereien.

Eine andere führt in ein kleines Trainingscamp. Dort finden sich jede Menge Trainingsmaterial für den Geist. Flipchart, Whiteboard, Seile, systemische Aufstellungsfiguren, Wandkalender, bunte Stifte, Acrylfarben und Leinwände. Alles was wir brauchen, um Deine Füße beim Los- oder Weiterlaufen zu unterstützen.

Eine weitere Tür führt in den wunderschönen Wald Deiner Seele. Dieser hat ganz verschiedene Wege. Offene und dunkle verschlungene, jene aus sanftem Moos sowie helle Lichtungen. Ab und an kann sich ein scheues Reh zeigen oder ein verspieltes Eichhörnchen. Kraftvolle Bären und zauberhafte Spinnennetze.

Das Besondere an diesem Wald ist der Schlüsselbesitzer. Das bist nämlich Du. Diese Tür kannst und wirst nur Du öffnen. Wie weit Du mich mit hinein nimmst, entscheidest Du. Ich habe immer meine Taschenlampe dabei. Aber Einschalten tue ich sie nur an Stellen, wo Du darum bittest. Für mich ist dieser Wald auch nur zugänglich, während Du mich hineinlässt.

Zwar kann ich Dir dabei helfen, ein paar schöne Kraft- und Entspannungsplätze zu finden oder einen wärmenden Feuerplatz zu bauen. Doch gehören tut dieser Wald ganz allein Dir selbst.

Übertragungsgefahr

Lange Zeit dachte ich, dass ich das als Coach nicht dürfe. Mit eigenen offenen Baustellen und Wunden ist die Gefahr sehr groß, dass wir unsere eigene Geschichte zu sehr in die Klientenarbeit einbringen (die Fachwelt nennt das Übertragung) und dann nicht mehr objektiv begleiten können. Aus diesem Grund hatte ich mich in einer anderen Phase meines Dualseelenprozesses (komplizierte, überaus schmerzvolle und intensivste Form einer „Seelenpartnerschaft“) komplett von meiner Arbeit distanziert und sogar mein Gewerbe abgemeldet.

Allerdings ist mir erst seit dem Ablegen meiner letzten Masken bewusster denn je geworden, wie menschlich doch insbesondere diese Momente sind. Bloß weil ich selbst als Coach arbeite, schützt mich das keineswegs vor eigenen persönlichen Herzensstürmen, schmerzvollen Gefühlen und Tränen.

Im Gegenteil, meiner Meinung nach entwickelt sich aktuell eine überaus gefährliche an völlig utopischer Perfektion ausgerichtete Gesellschaft. Selbst eine akademisch hochausgebildete Psychologische Psychotherapeutin erklärte mir doch ernsthaft, man dürfe seine eigenen Gefühle nicht DERART zur Schau stellen“. Wie viele Annahmen, Masken und Bewertungen allein in diesem Satz stecken, darf jeder für sich selbst beantworten.

Da wir das Reflektieren unserer Gefühle aber weder in der Schule lernen, noch sonst offen darüber sprechen, betrachte ich dies als kleine Nebenaufgabe meiner Rolle in diesem rätselhaften Spiel namens Leben.

Außerdem finde ich intensive Eigenerfahrungen als besonders zugänglich für die Seele eines anderen Menschen, der von Außenstehenden ohne ähnliche Erlebnisse ja doch selten verstanden wird.

Wer würde denn einen jungfräulichen Sexualtherapeuten aufzusuchen?

Ich erfuhr in den letzten Monaten selbst von Fachpersonal derart viel unverantwortliche Arten, mit meinen Empfindungen umzugehen, dass ich manches Mal dachte:

„Auweia, wenn Sie das jetzt einem in mentalen Abläufen ungeschulten Laien sagen würden, der würde nun vermutlich erst recht ins Auto steigen und gegen eine Wand fahren!“

Ich weiß sehr genau, was ich hier tue und glaube, dass ich weitaus bewusster und reflektierter auftrete, als viele ihre eigenen Baustellen absolut deckelnde und lieber in stereotypen Theoriesuppen kochende Persönlichkeiten!!

Meiner Meinung nach popelt es sich in der eigenen Nase wesentlich besser und verantwortungsvoller als in fremden!

Um dies jedoch auch weiterhin sicherzustellen, tausche ich mich regelmäßig mit Kollegen aus und nehme Supervision in Anspruch, sobald ich Zweifel an meiner objektiven Begleitung bemerke.

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Als Mutter von 3 Kindern nach Trennung, unglaublich hohen eigenen Erwartungen als Mentaltrainerin & Coach sowie vielen Jahren permanenter Fortbildung und Reflexion, dachte ich, mich würde nichts mehr umwerfen. Doch dann begegnete mir die Liebe meines Lebens und stellte selbst mein Herz auf den Kopf. Als Texterseele und Muse ist es mir ein großes Anliegen, offen zu meinen Erlebnissen zu stehen, gerade auch jene, die schmerzhaft waren. Nimm' jene Worte an, die Dir gut tun und Dich weiter bringen und "hau' in die Tonne" was für Dich nicht passt ;-). Gern begleite ich Dich als Coach zur Integration Deiner eigenen Geschichte hin zu Deinem heilen Selbst ❤.

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